Frieden lehren in Israels Klassenzimmern
Erziehung kann Veränderungen bewirken. Deswegen ist es ungeheuer wichtig, Toleranz und Versöhnung zu lehren, um für Israelis und Palästinenser eine bessere Zukunft zu schaffen. [1] Israelische Erzieher legen aus diesem Grund besonderen Wert darauf, dass Themen wie Toleranz, Verständnis für Vielfalt und Frieden im Unterricht behandelt werden. In israelischen Schulbüchern wird Frieden als erreichbares Ziel dargestellt. Der Islam und die arabische Welt werden nicht mit negativen Stereotypen charakterisiert. Bei der Diskussion kontroverser Themen werden in den Büchern verschiedene Ansichten dargestellt. Israels Regierung steht voll und ganz hinter dem Konzept, dass durch eine friedensorientierte Erziehung der Grundstein für dauerhaften Frieden gelegt wird.
Das israelische Schulsystem
Israel hat vier eigenständige Schulsysteme: staatlich, religiös, privat und arabisch/drusisch. [2]
-
An staatlichen Schulen werden neben den Grundfächern Kurse in Judentum, Bibelkunde, Kultur, Geschichte, Bürgerkunde und Sprachen angeboten.
-
Religiöse Schulen legen besonderen Wert auf religiöse Riten und Bibelkunde.
-
Private Schulen fördern besonders internationale Studien.
-
In arabischen und drusischen Schulen wird auf Arabisch unterrichtet. Neben den klassischen Fächern wird Unterricht in Islamkunde und der drusischen Religion sowie der Geschichte und Kultur beider Völker erteilt.
Trotz der Unterschiede zwischen den Schulsystemen werden alle Kinder in den Grundfächern wie z. B. Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet. Des Weiteren werden Themen wie die Wichtigkeit demokratischer Werte, Immigration und Frieden im Unterricht behandelt. [3]
Regierungsprogramme
Die israelische Gesellschaft ist ausgesprochen vielfältig und besteht zu 76,4 Prozent aus Juden, zu 16 Prozent aus Muslimen, zu 1,7 Prozent aus arabischen Christen und zu 1,6 Prozent aus Drusen. [4] Die Abteilung für Erziehung zu Demokratie und Koexistenz des israelischen Erziehungsministeriums schult Lehrer in der Vermittlung entsprechender Inhalte.
Israelische Lehrbücher: Ein Ausschnitt aus dem Unterricht an israelischen Schulen
Dem Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP) zufolge - eine unpolitische, gemeinnützige Organisation, die den Inhalt von Schulbüchern im Nahen Osten analysiert - enthalten israelische Schulbücher keine Aufforderungen zu Krieg oder Gewalt. Ganz im Gegenteil, diese Bücher stellen den Frieden als erreichbares Ziel dar und betonen den Wunsch nach einem dauerhaften Frieden. Das Israel/Palestine Center for Research and Information kam in einer Studie [5] zu israelischen Schulbüchern zu folgender Schlussfolgerung:
-
Israelischen Kindern wird ein positives Herangehen an andere Kulturen, darunter die palästinensische Kultur, beigebracht. [6]
-
Die Kinder lernen auch, dass Juden im Mittelalter und während des Osmanischen Reichs von muslimischen Staatsoberhäuptern mit Toleranz behandelt wurden. [7]
-
Christentum und Islam werden verständlich und auf wissenschaftliche Art und Weise gelehrt. [8]
-
In den Lehrbüchern wird auch die palästinensische Perspektive zu den Ereignissen von 1948 und 1967 dargestellt. [9]
-
Es werden Beispiele von arabischen Israelis aufgeführt, die als Akademiker oder Ärzte tätig sind, und ihre Laufbahn beschrieben. [10]
-
In den Lehrbüchern werden jüdische Gemeinden im frühen Palästina nicht erwähnt. Dies zeigt, dass Israel anerkennt, dass vor der Errichtung des Staates Israel bereits viele arabische Völker in dieser Region ansässig waren. [11]
-
Dialoge in Büchern für die Mittelstufe vermitteln, wie mit Diskussionen umgegangen werden kann, die eventuell zwischen Israelis und Palästinensern entstehen. [12]
-
Die in den Lehrbüchern enthaltenen Diskussionen über den Konflikt zwischen Israel und Palästina berühren ebenfalls die Grenzfrage. [13]
-
Auch Kritik an der Politik Israels zwischen den Kriegen 1967 und 1973 ist in den Lehrbüchern enthalten. [14]
-
Die arabische und palästinensische Politik wird auf Fakten basierend dargestellt. [15]
-
In den Lehrbüchern wird der Kampf der Palästinenser als nationale Bewegung dargestellt. [16]
-
Den Schülern wird vermittelt, welche heiligen Orte sowohl für Muslimeals auch für Juden und Christen eine besondere religiöse Bedeutung haben. [17]
Beispiele für friedensfördernde israelische Lehrbücher
-
In israelischen Lehrbüchern werden den Schülern in Rollenspielen unterschiedliche Perspektiven vermittelt
Die Schüler bilden z. B. Gruppen - von denen die eine jüdische und die andere palästinensische Journalisten repräsentiert - und erstellen einen Bericht über die UN-Resolutionen aus dem Jahr 1947, die zu dem UN-Teilungsplan für Palästina führten. Danach sollen die Schüler die Unterschiede zwischen den Berichten der palästinensischen und der jüdischen Journalisten besprechen (siehe K. Tabibian, "Journey to the Past - The Twentieth Century, By Dint of Freedom," 1999, S. 294).
-
Israelische Lehrbücher erkennen die Leistungen der Araber und Muslime an
In einem der Texte werden die Araber als Begründer der Zivilisation bezeichnet: "...sie entdeckten als Erste die Existenz ansteckender Krankheiten. Sie bauten auch als Erste öffentliche Krankenhäuser. Aufgrund des bedeutenden arabischen Beitrags zu verschiedenen Wissenschaften tragen bestimmte Disziplinen auch heute noch einen arabischen Namen, z. B. Algebra." ("From Generation to Generation," Vol. b, 1994, S. 220).
-
Israelische Lehrbücher erklären die Ursprünge des palästinensischen Nationalismus
In einem Text für die Mittelstufe steht, dass "sich während der Dreißiger Jahre nationalistische arabische Bewegungen im gesamten Nahen Osten ausbreiteten. Bei vielen Arabern im Heiligen Land erwachte ein nationales Bewusstsein - in anderen Worten, die Auffassung, dass sie nicht nur Teil einer großen arabischen Nation sondern auch Palästinenser sind." ("The Twentieth Century - On the Threshold of Tomorrow," Grade 9, 1999, S.44).
-
Der arabische Standpunkt wird dargestellt
In einem Geschichtstext wird beispielsweise beschrieben, wie Israels Regierung Anwar al-Sadats Friedensangebot von 1971 "mit einer Geringschätzung [behandelte], die aus einem nach dem 6-Tage-Krieg entstandenen Gefühl der Überlegenheit resultierte. Nachdem sein Friedensangebot ausgeschlagen wurde und die Verhandlungen in einer Sackgasse steckten, entschied sich Sadat dafür, den Krieg zu erklären." (K. Tabibian, "Journey to the Past - The Twentieth Century, By Dint of Freedom," 1999, S. 313).
-
Israelische Lehrbücher spiegeln viele verschiedene Meinungen wieder, darunter auch solche, die nicht mit gängigen Ansichten übereinstimmen und Kritik an der Politik Israels äußern
Kontroverse Themen wie z. B. die umstrittenen Gebiete, das Flüchtlingsthema und der Status der israelischen Araber werden unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. Ein Buch zitiert z. B. die Position eines umstrittenen revisionistischen Historikers, der die Flucht der Palästinenser in den Jahren 1947-1948 mehr den Aktivitäten jüdischer Truppen als den Anweisungen arabischer Führer zuschreibt ("From Exile to Independence - The History of the Jewish People in Recent Generations,"Vol. 2, 1990, S. 312).
Weitere Informationen finden Sie im nachfolgenden Artikel der Washington: Post: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A46400-2004Nov12.html
Quellen:
[1] Solomon, Richard H., "Teaching Peace or War?", United States Institute for Peace: Briefings and Congressional Testimony, 13. Oktober 2003, http://www.usip.org/congress/testimony/2003/1030_solomon.html, accessed 28. Juni 2007
[2] "Education - Primary and secondary", Webseite des israelischen Außenministeriums, 15. März 2003, http://www.mfa.gov.il/MFA/Facts+About+Israel/Education/EDUCATION-+Primary+and+Secondary.htm
[3] Ibid.
[4] "Israel", Central Intelligence Agency: The World Factbook, 19. Juni 2007, https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/is.html , Zugriff erfolgte am 28. Juni 2007
[5] Israel/Palestine Center for Research and Information, "Examination of Israeli textbooks in elementary schools of the state educational system", April 2004, http://www.ipcri.org/files/ibookseng.pdf , Zugriff erfolgte am 28. Juni 2007
[6] Ibid, 7
[7] Ibid,
[8] Ibid, 8
[9] Ibid, 9
[10] Ibid, 9
[11] Ibid, 10
[12] Ibid, 14
[13] Ibid, 19
[14] Ibid, 36
[15] Ibid, 36
[16] Ibid, 36
[17] Ibid, 48 |